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Den Hatz erwischt
Dieses mal Hatz' die Rüttelplatte erwischt (ha, ha).
Was also noch recht harmlos anfing als hat keine Kompression mehr und in lauer Erwartung mit Kopfdichtung oder gebrochener Kolbenring bemutmaßt wurde, musste im Laufe der Demontage dann doch alsbald mit Bröckchen attestiert werden. Nach dem Lösen der Zylinderkopfschrauben sprang sodann ein grässlicher Riss entlang des Zylinders auf.
Es schlossen sich daran an die Reste der Kolbenringe, überhaupt die Reste des Kolbens an und für sich, vorstehend benannte Werke in gesammelter Form in der Ölwanne sowie zwei weitere Risse entlang der Zylinderwandung und abschließend beschossene Gleitlagerschalen1 am Hubzapfen.
Nun ist bei vorherrschender Gattung des Schadens das Problem mitnichten der Tausch der schadhaften Bauteile, sondern vorrangig das möglichst umfängliche Ergründen selbiger. Anhand der Detailtreue, mit welcher der Motor also im folgenden zerlegt wird, lässt sich unmittelbar das verbleibende Risiko bei der Wiederinbetriebnahme einstellen: Vollständig zerlegt lässt sich das Motorgehäuse bestmöglich insbesondere von verschleppten Metallspänen reinigen. Verbleiben Gehäuseteile beieinander, so bleiben weitere Schäden mitunter verborgen.
Mangels Zeit (stets ein schlechtes Argument) und wegen herausragendem Optimismus und Vertrauen des Besitzers in den Mechaniker war ein mittleres Risiko der Weg der Wahl: Die Gehäusehälften bleiben zusammen, es wird vermessen, was zu messen ist, und gereinigt, was zu reinigen ist. Etwaige Lücken in der Argumentation werden mit Intuition gestopft. Unabhängig davon und ganz objektiv untermauert aber die Qualität des abgelassenen Motoröls den Verdacht, dass beim Unfall vornehmlich grobe und gröbste Brocken an Bruch entstanden, die schon im Sieb der Ölwanne hängen geblieben sind. Die Untersuchung des Ölfilters bestätigt das ebenfalls.
1 Es ist übrigens wahrlich faszinierend, wie weich die Innenseite solcher Lagerschalen ist.
Schiffbruch in der Fernbedienung
Diese Fernbedienung bediente einen SVHS-Rekorder, bevor sie ein Batterieopfer wurde. Zwar gibt es dieses Teil (Panasonic VEQ0993) noch getestet und gebraucht zu kaufen, aber man wäre ja nicht Ingenieur, wenn mans nicht zumindest versuchen würde. Viel drin ist ja erfahrungsgemäß in Consumer-Ware ohnehin nicht, auch wenn diese Fernbedienung augenscheinlich schon etwas mehr Komfort bietet, mit Jog-Shuttle und Drehgeber.
Drinnen ist also tatsächlich nix, nur irgendein mir nicht bekannter Mikroprozessor, ein Resonator für den Takt und ein paar Kondensatoren. Ach so, und natürlich die grün blühenden Batteriekontakte.
Das Fehlerbild ist zunächst durchaus amüsant: Senden tut die Fernbedienung nichts, das lässt sich mit einer Digitalkamera recht schön überprüfen, denn die sind in der Regel auch infrarot-empfindlich. Ab und zu nimmt die Fernbedienung etwa ein halbes Ampère an 4,5 Volt auf, manchmal leuchtet eine LED im Tastenfeld. Manchmal auch nicht. Wenigstens das halbe Ampère ist ja ein Anfang: Man lässt es halt fließen und fühlt, wo es warm wird. Hier konkret wird es an der Sendediode warm.
Erste Diagnose daher: Der Mikroprozessor bleibt stecken, manchmal mit eingeschalteter LED und manchmal mit strahlender Sendediode, weswegen selbige auch warm wird. Dioden werden zwar nicht per se warm, aber ob des geringen Tastgrades, mit dem die Fernbedienung sendet, wird die laut Vorwiderstand ganz passabel bestromt, was der Reichweite zugute kommt. Der Wärmeentwicklung obgleich nicht. Immerhin verrät das Oszilloskop, das am Resonator kein Takt anliegt. Kommt ab und zu durchaus vor, dass so ein Ding zerbricht bei Handgeräten. Aber eigentlich eher bei Quarzoszillatoren (typisch: Handfunkgerät), eher weniger bei keramischen Resonatoren. Das Bauteil in der Fernbedienung ist mit 400K gestempelt, dürfte also ein letzterer von niedriger Frequenz sein.
Also vorerst weitersuchen. Und auch fündig werden: Eine der Leiterbahnen zum Resonator ist gebrochen. Bisschen Glasfaserpinsel, bisschen Draht, siehstemal.
Irgendwas mit Bergwerk
Über Um- und Wanderwege, derletzteren insbesondere sehr schöne in und um Langenfeld in der Eifel, hat dieser Bausatz einer Abbrandsteuerung den Weg zu mir gefunden. Solche Steuerungen werden in Verbindung mit domestizierten Kachelöfen eingesetzt, um die Frischluftzufuhr und damit den Verbrennungsvorgang der Ofenladung zu regeln. So kann einerseits die Verbrennung ziegerichtet erfolgen (etwa: den Raum möglichst schnell aufheizen oder möglichst lange und gleichmäßig heizen) und andererseits wird der Schadstoffausstoß reduziert.
Die Steuerung hier gehört in die malerische Bergmannshütte des Besucherbergwerks Grube Bendisberg in Langenfeld.
Mittlerweile wird das Gerät von Schmid nicht mehr beworben, da es ein moderneres Nachfolgegerät gibt. Das ist ungünstig, denn augenscheinlich ist die Steuerung defekt.
Auf den ersten Blick hat es den Trafo erwischt. Die Bergmannshütte liegt etwas abgelegen, insofern wären Spannungsspitzen auf der Netzversorgung durchaus zu erklären. Nachdem der Trafo ausgelötet ist, lässt sich die Schaltung am Labornetzteil in Betrieb nehmen und zeigt vorerst weder auffällig hohe Stromaufnahme noch Pyrolyse. Es besteht also Grund zur Hoffnung, dass die Schmelzsicherung früh genug gebremst hat und ansonsten keine weiteren Bauteile Schaden genommen haben.
Jedenfalls verrät die mit B beginnende Artikelnummer, dass der Trafo mit 7V/3VA und 24V/22VA sekundär von Block wohl kundenspezifisch gewickelt wurde. Nun verpackt man Trafos glücklicherweise nicht willkürlich, und wenn man die beiden Sekundärleistungen zu 25VA zusammenrechnet, ist die zugrundeliegende Bauform recht schnell gefunden. Die 24V werden nuneinmal benötigt, es kommt daher ein 24V/25VA-Trafo von der Stange als Ersatz hinein, womit der 24V-Längsregler zufrieden wäre.
Der 5V-Regler ist problematischer, denn er versorgte sich ja einst aus der 7V-Wicklung, die nun nicht mehr existiert. Ihn aus der 24V-Wicklung zu versorgen würde nur kurzfristig zufriedenstellend funktionieren und recht sicher im Moment größtmöglcher Glückseeligkeit im Hitzetod enden. Immerhin hat sich die Verlustleistung durch den nun viel größeren Spannungsabfall gerade versiebenfacht.
Günstig ist, dass die Infrastruktur um den Linearregler in Form von Abblock-Kondensatoren vorbildlich und großzügig aufgebaut ist. Der zuvor eingebaute Glättungs-Elko ist schnell gegen einen Typen mit ausreichender Spannungsfestigkeit getauscht und damit ist der Weg frei für ein kleines Schaltregler-Modul. Auf der Rückseite der Leiterplatte dann noch die Sekundär-Anschlüsse des Trafos vernähen und fertig ist der Lack.
Auf der zweiten Platinenetage gibt es noch eine Phasenanschnitts-Steuerung zu entdecken (altdeutsch: Dimmer), mit der die Drehzahl der Rauchabsaugung gesteuert wird. Die Schaltung ist um das Fossil U2008B von ehemals Temic herum aufgebaut, und dies recht nah an der Beispielschaltung aus dem Datenblatts dieses Steuer-Bausteins.
Um den Widerstand R1, der als Vorwiderstand zur Spannungsversorgung des Bauteins dient, bahnte sich in Form von verkohlter Leiterplatte weiteres Unheil an. Der tatsächlich verlötete Widerstand war mit 10kOhm nur halb so groß wie der im Schaltbild vorgeschlagene Wert von 22kOhm. Die Bauform mag mit 5 Watt zwar grundsätzlich mit der Verlustleistung zurecht kommen, aber offenbar erlaubt die Einbausituation nicht genügend Wärmeabtransport.
Abhilfe schafft hier, ganz wie früher, den Widerstand auf Stelzen zu setzen und Kühlfahnen an die Anschlussbeinchen zu drapieren. Ein Ähnliches Problem haben beispielsweise auch Gleichrichter und Leistungsdioden. Deren Anschlusspins sind nicht wegen der Stromtragfähigkeit so dick, sondern um genügend Wärme aus dem Bauteil heraus und an die Umgebung abzuführen.
(Schaltbild entnommen aus: Atmel U2008B: Low-cost Phase-control IC with Soft Start. Atmel, Microchip 2011.)